Jamie Oliver ist so berühmt, dass uns sein Gesicht mittlerweile sogar in deutschen Supermärkten von Pesto-Gläsern und Nudelverpackungen entgegenlacht. Ehrlich gesagt weiß ich wenig bis gar nichts über Jamie Olivers Werbepartner (lediglich, dass er seine langjährige Werbepartnerschaft mit Sainsbury 2011 beendet hat), sein "Food-Empire" oder seine Marketingabteilung. Ich kaufe auch keine Jamie-Oliver Nudeln, keine Jamie-Oliver Tomatensoße und keine Jamie-Oliver Pfeffermischung. 
Trotzdem habe ich seine vielen vielen TV-Sendungen verfolgt und kaum eine Reihe wirklich ausgelassen. Auch wenn mir, gerade bei Jamie's Food Revolution oder Jamie's Kitchen (die Serie über die Eröffnung des Restaurants Fifteen in London) einiges doch sehr durchgeplant und "gescriptet" vorkam, kann ich mich mit der Kernbotschaft der ganzen Sendungen sehr gut identifizieren. Es geht letzten Endes immer darum, dass wir wieder einen Bezug zu unserem Essen bekommen,  gesünder und klüger werden, indem wir weniger Junkfood essen, dass wir eine Mahlzeit auch als eine sinnliche und eine soziale Sache wahrnehmen und dass wir andere Menschen glücklich machen können, indem wir für sie den Kochlöffel schwingen (- und nicht, indem wir ihnen teure, aber unnötige Dinge kaufen). 
Jamie Oliver ist leider kein Veganer, nicht mal Vegetarier. Er benutzt Unmengen von Pancetta (einer Art Schinkenspeck), Eiern, Parmesan und anderen Milchprodukten, von all seinen Fleisch- und Fischgerichten mal ganz abgesehen. Natürlich plädiert er vehement dafür, tierliche Produkte unbedingt aus artgerechter Tierhaltung zu beziehen, aber für mich als Veganerin ist das eben nur ein unvollständiger Schritt in die richtige Richtung. 
Und trotzdem mag ich gerade seine Kochsendungen sehr. Da ich ein Mensch bin, der  Dinge besser versteht, wenn er sie sieht oder liest als wenn er sie nur hört, habe ich allein beim Anschauen der Kochsendungen eine ganze Menge gelernt: wie man mit einem großen Kochmesser richtig umgeht, wie man das perfekte Salatdressing macht, wie man mit Kräutern spielt etc. Ich habe Spaß an der Leidenschaft, die er fürs Kochen und für frische Zutaten aufbringt und habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass man ihm nicht vorwerfen kann, seine Gerichte nur um Fleisch herum aufzubauen. Im Gegenteil, viele Gerichte sind ohnehin sehr gemüsig und daher extrem leicht zu veganisieren! 
Aber seht selbst die ersten Ergebnisse meiner Jamie-Oliver-Veganisierungsprojektwoche:

Lasagne mit Erbsen, Minze und Spinat (veganisierte Version eines >Rezepts< aus dem Buch Jamie's 30 Minute Meals):
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Hier habe ich Vollkorn-Lasagneblätter benutzt, statt Parmesan und Hüttenkäse einen Hefeschmelz benutzt und die Gemüseschicht aus Erbsen, ein wenig Minze, Zwiebeln, Knoblauch und Babyspinat mit Gemüsebrühe, etwas Thymian und Sojasahne zubereitet. Geschichtet habe ich im Wechsel Lasagneblätter, Gemüsemischung, Hefeschmelz, Lasagneblätter, Gemüsemischung, Hefeschmelz.... 
An die genauen Mengenangaben habe ich mich auch nicht gehalten, weil wir nur zu zwei waren und ich keine Lasagne für 6 Personen kochen wollte. Ich muss sagen, dass das Rezept wirklich einfach, aber dafür umso leckerer ist! Ich wäre alleine niemals auf die Idee gekommen, mit Erbsen eine Lasagne zu füllen, aber gut, dass ich mich eines besseren habe belehren lassen.
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Salat aus geröstetem Lauch und Frühlingszwiebeln mit Radicchio und einer Chorizo-Vinaigrette
(veganisierte Version eines Rezepts aus Jamie at Home)

Die Serie Jamie at Home kann ich wirklich nur empfehlen: jede Folge behandelt eine andere Gemüsesorte, bzw. -familie, die in Jamie Olivers eigenem Garten wächst. Zusätzlich zu einigen nützlichen Tipps für den heimischen Garten gibt es pro Folge zwei bis vier gemüselastige Rezepte. Auch für Rohköstler ist ab und zu was dabei!
LeekSalad
Gerade jetzt im Winter gibt es Lauch oder Porree in rauhen Mengen. Der etwas bittere Radicchio gilt gemeinhin auch als Wintersalat, also ist dieses Gericht genau das Richtige, um den Winter so langsam zu verabschieden.
Statt der Chorizo-Wurst habe ich zwei Spacebar Chorizo von Wheaty benutzt (gibts im Bioladen). Statt eines Holzkohlegrills habe ich Lauch und Frühlingszwiebeln im Ofen gegrillt und den Radicchio für eine kurze Minute ebenfalls im Ofen welken lassen. Auch wenn der Salat ziemlich armselig aussieht am Anfang, wird er inklusive Dressing am Ende doch wieder ganz farbenfroh und ist geschmacklich der absolute Wahnsinn! Das Rezept (leider mit Fleisch und Fischbeilage) könnt ihr euch hier ansehen (ab ca. 0:40)!

Schneller Käsekuchen im Glas (veganisierte Version eines >Rezepts< aus Jamie's 30 Minute Meals)

Das perfekte Rezept für Dessertmuffel wie mich. Es ist in 5 Minuten zusammengeworfen, sieht aber nach einer Menge Mühe und Arbeit aus. Außerdem lässt es sich je nach Jahreszeit variieren und schön dekorieren.
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Der Boden des "Kuchens" besteht aus zerbröselten veganen Keksen, die mit geschmolzener Alsan verrührt und im Kühlschrank dann wieder verhärtet werden. Für die Quarkschicht habe ich über Nacht abgetropften Sojajoghurt benutzt, den ich mit etwas Zitronenabrieb verrührt habe. Statt des Lemon Curd, der traditionell mit Ei hergestellt wird, habe ich Aprikosenfruchtaufstrich benutzt, den ich mit etwas warmem Wasser verflüssigt habe. Als Dekoration habe ich Kekskrümel und Carobpulver benutzt. Man könnte aber auch einige Zweige Minze, ein paar frische Himbeeren oder etwas abgeschabte Schokolade nehmen. Zusätzlichen Zucker musste ich nicht verwenden. Und was soll ich sagen: paar Minuten Arbeit und Bombengeschmack! Wird auf jeden Fall wieder gemacht!
Cheesecakeinajar2

Und da der Blogeintrag jetzt schon zu lang ist, hebe ich mir die Rohkostgerichte dann für ein Andermal auf! Ich verrate nur so viel: sie sind mind. genauso lecker wie die gekochten Sachen!