Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, denn ich habe ja bereits >hier<, >hier< und >hier< auf das leidige Thema hingewiesen, ist Lebensmittelverschwendung und damit verbunden auch der Mangel an Wertschätzung für das, was auf unseren Tellern landet, immer noch hochaktuell und darf nicht auf dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden. Ich trage also hiermit meinen kleinen und aus Zeitmangel leider zwangsweise bescheidenen Teil bei und verweise auf einen recht gut zusammenfassenden Artikel von Spiegel Online, der heute erschien.

Der Artikel ist deswegen so gut, weil verschiedene für mich sehr inspirierende Menschen zu Wort kommen, wie z.B. der Aktivist Wam Kat, der mit seiner mobilen Küche durch Deutschland zieht und Kindern nicht nur beibringt, was eine Tomate ist, sondern auch aus vom Feld gesammelten Kartoffeln, die wegen ihrer Form oder Größe liegenbleiben, Mahlzeiten für Hunderte von Menschen kocht und somit ein Bewusstsein schafft, das nicht mehr an der perfekten Optik einer Feld- bzw. Baumfrucht orientiert ist, sondern daran, dass ein natürliches Produkt auch Merkmale eines natürlichen Wachstumsprozesses beinhalten kann. Genau wie kein Mensch dem anderen gleicht, gleicht auch kein gewachsenes Gemüse oder Obst dem anderen und es wäre katastrophal, wenn es so wäre.

Bäcker Schüren, der sein nicht verkauftes Brot als Heizmaterial für seine Öfen benutzt, macht sich ein in sich wirklich "perverses" Konsumverhalten, wie der Filmemacher Valentin Thurn es ausdrückt, in den Industriestaaten der Welt zunutze. Es ist löblich, wie sehr sich Schüren engagiert und ich bewundere seine Kreativität und möchte ihm dafür alle Komplimente machen, die es gibt. Aber seine kreativen Verwertungsstrategien sind nun mal von dem Faktor der Nichtwertschätzung unseres "täglichen Brotes" bestimmt. Durch meine eigenen Erfahrungen, die ich als Aushilfsverkäuferin und Sandwichschmiererin in einer nicht wirklich nennenswerten hiesigen Bäckereifiliale sammeln durfte, kenne ich das kranke Prinzip "Masse verkauft Masse," das verlangt, dass noch abends um halb acht, also kurz vor Ladenschluss, ofenfrische Backwaren in ausreichender Menge zum Verkauf stehen müssen. Der Kunde, so die Argumentation, der ich leider beipflichten muss, kauft nichts, wenn er sieht, dass seine Auswahl nur auf vier Rosinenbrötchen, drei Nuss-Schleifen und sieben oder acht Laugenkäsestangen begrenzt ist. Hätten zusätzlich noch Apfeltaschen, Puddingbrezeln, zehn Brote und vier Körbe unterschiedlicher Brötchen im Verkaufsraum ausgelegen, hätte derselbe Kunde wahrscheinlich trotzdem eine Nuss-Schleife gekauft, weil ihm einfach nach etwas Nussigem und Süß-Klebrigem war. Aber da man den Kunden im Einzelhandel schon seit Jahren mit einem Überangebot verwöhnt, erwartet er das auch in einer Bäckerei am Samstag Abend um halb acht (- mir drängt sich gerade der widerliche Begriff "Wohlstandsproblem" auf...). Und so warfen wir am Ende des Tages mehr als die Hälfte der noch vor Ladenschluss schnell aufgebackenen Ware weg. Irgendwann gingen die Sachen dann an die Tafeln, aber selbst das, so nobel es auch ist, ändert nichts am grundsätzlichen Problem. Denn nicht jede Bäckerei gibt ihre Ware an die Tafeln, weil die Mülltüte unkomplizierter ist und es schnell gehen muss.

Es gibt noch viel viel mehr zu sagen in diesem Zusammenhang und ich muss immer aufpassen, dass mein Aktivismus nicht mit mir durchgeht. Aber leider habe ich momentan nicht die Zeit ausführlicher zu sein.

Ich werde die Entwicklung in diesem Bereich aber auf jeden Fall weiter verfolgen, da es zwischenzeitlich auch einige sehr schöne und kreative Projekte gibt, wie man seine Lebensmittelverschwendung in Grenzen hält bzw. eindämmen kann. Ich möchte euch über die aktuellen Entwicklungen informieren, auch die politische Seite des Problems erläutern, euch einfache Ideen präsentieren, wie ihr euren Haushalt und euren Kühlschrankinhalt besser überblicken könnt, ohne dafür am Tag mehrere Stunden aufwenden zu müssen. Außerdem möchte ich kreative Rezepte entwickeln, die es euch leicht machen werden, auch das Gemüse und Obst zu "verwursteln," mit dem ihr nicht viel anfangen könnt, das aber in eurem Kühlschrank auf den Exodus im Mülleimer wartet. Als Einstieg empfehle ich den Spiegel Online Artikel und die Einsicht, dass jeder einzelne Konsument wirklich und wahrhaftig Macht über den Handel hat. Und dass man sich auch sehr gut gegen die globale Verschwendung von Lebensmitteln wehren kann ohne direkt zum Mülltaucher werden zu müssen.