Auch diese Woche habe ich eine große Lunchbox für einen stressigen Tag zwischen Uni und Arbeit, Unterricht und Hobby gepackt. Groß musste sie sein, die Lunchbox und genügend Essen fassen, um mich bis abends satt zu machen. Bei Bento&Co hatte ich mir vor einiger Zeit mal diese Bentobox gekauft. Ich besitze noch eine andere Box, die aber wesentlich weniger Inhalt fasst und nur dann ausreichend ist, wenn ich abends noch einmal Zeit zum Essen haben.
Eine Bentobox ist übrigens eine japanische Lunchbox und das Zusammenstellen und Packen einer solchen Lunchbox ist fast eine Kunst für sich. Im Netz gibt es eine Menge Fotos künstlerisch kreierter Mittagessen in solchen Boxen. Auf der Webseite des Bento Lunch Blogs findet ihr Tipps und Anregungen rund um den tragbaren Lunch und japanisches Essen in deutscher Sprache (- vegetarisch inkl. Fisch und Meeresfrüchte).

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Meine Fukuro Bento Box fasst insgesamt 900 ml, verteilt auf zwei Stockwerke. Das scheint für eine Bentobox ziemlich viel zu sein. Der überwiegende Anteil in einem solchen Lunch fällt den Kohlehydraten zu. Ich entschied mich für eifreie Mienudeln, die ich mit Sojasoße und Chili anbriet. In der Mitte der Nudeln seht ihr eine Art Nest aus Erdnuss-Sesam-Tofu, der leider etwas blass ausfiel dieses Mal, garniert mit schwarzem Sesam und Frühlingszwiebeln. Rechts unten im Bild, auf der zweiten Etage der Bentobox seht ihr Rahmlauch (Lauch in Mandelsahne, gewürzt mit Salz, Pfeffer und etwas Senf und Gemüsebrühe), die Reste des Erdnuss-Sesam-Tofus sowie ein paar gedünstete Rosenkohlköpfchen. Zum Nachtisch gabs einen Apfel. Es war sogar noch einiges übrig, so dass ich abends noch die Reste vertilgen konnte. 900 ml dicht gepacktes Essen machen ganz schön satt!

Nun interessiere ich mich schon seit einiger Zeit für intelligent gestaltete und gepackte Mittagessen zum Mitnehmen und bin auch schon zu prä-veganen Zeiten von der Brotdose mit zwei traurigen belegten Broten für einen kompletten Tag abgekommen. Als ich beschloss, mich vegan zu ernähren, war sowieso klar, dass ich mehr denn je darauf angewiesen war, mein eigenes Essen, viel davon, möglichst platzsparend zur Arbeit oder zur Uni zu transportieren. Meine Recherchen auf der Webseite eines großen Online-Buchhändlers führten mich schließlich zu einem Buch der amerikanischen Bloggerin Jennifer McCann (- dass sie bloggt, wusste ich damals noch nicht). McCann ist Autorin der Bücher Vegan Lunch Box und Vegan Lunch Box Around the World, das Buch, das ich mir kaufte und über das ich nun gerne ein paar Worte verlieren möchte.

0738213578.01.LZZZZZZZDas Buch hatte mich wegen seines hübschen Titelblattes angesprochen. Das Lunchpaket sah vielversprechend, ausgewogen und recht kreativ aus. Allerdings machte ich ziemlich schnell beim Durchblättern des Buches die Erfahrung, dass die Rezepte fast alle so simpel sind, das man sie sich mit etwas eigener Kreativität beim Kochen auch hätte selbst einfallen lassen können. Zwar steht im Untertitel, dass es sich um "easy recipes", also einfache Rezepte handelt, aber dass sie so einfach sind, hat mich schon etwas schockiert. Die Autorin bedient sich vieler Fertigprodukte, was nicht per se schlecht ist, aber eben auch nicht das, wofür ich mir ein Kochbuch kaufe. Das Rezept für "My favorite Tofurky Sandwich" umfasst z.B. eine komplette Buchseite und besteht im Wesentlichen aus: Sauerteigbrot mit fertiger Veganaise bestreichen, mit fertigen Tofurky-Scheiben belegen, fertige Cranberry-Sauce darübergeben und mit frischem Pfeffer abschmecken. Das muss nicht wirklich in ein Kochbuch, finde ich.  
Interessant sind meines Erachtens nach einzig und allein die Menüvorschläge, die sie pro Land unterbreitet. So schlägt sie für eine Lunchbox zum Thema "England" folgende Inhalte vor: veganer Shepherd's Pie (mit fertiger Piecrust, fertiger Soße etc.), Sweet Peas with Mint (ganze 4 Zutaten), Sour Cream Scones und kleine Äpfel.  Als Anregung finde ich manche Sachen ganz nett, aber die Rezepte für ihre Vorschläge lesen sich so nichtssagend, dass ich keine besondere Lust habe sie nachzukochen.
Wie die meisten amerikanischen Kochbücher hat auch dieses größtenteils unillustrierte "Rezepte". In der Mitte des Buches gibt es dafür dann aber einige komplette Lunchboxen als schöne Farbfotos zu sehen. Hier wird dann auch endgültig klar, dass die vorgestellten Lunchpakete in ihrem Aufbau nichts mit den japanischen Bentoboxen zu tun haben, sondern jedes einzelne Gericht seine eigene Dose/Verpackung erhält. (Es geht ja auch um Lunch allgemein und nicht um Bento im Speziellen.)
Nach dieser Enttäuschung schaute ich mich dann mal auf Jennifer McCann's Blog um und stellte fest, dass die meisten Lunchboxen, die sie packt, zum Großteil aus Salat bestehen. Auch gut. Aber eben nichts für ein Kochbuch.
Mein Fazit: wer absolut keine Ahnung und vor allem keinen Bezug zum Kochen hat, sich aber vegan ernähren will oder ernährt, wenig Zeit hat und ein paar kleine kreative Anregungen braucht, der wird mit Vegan Lunchbox Around the World gut zurechtkommen und vielleicht auch Freude daran haben. Alle, die gerne und schon länger kochen, sollten sich das Buch besser nicht kaufen und sich nach aufwändigeren Rezepten umsehen.
Leider haben mich meine Recherchen bislang nicht zu einem high-end Kochbuch geführt, dass sich mit Lunchboxideen speziell für Veganer befasst. Wie immer bin ich also für Vorschläge offen. Sie sollten nur nicht in japanischer Sprache geschrieben sein.