"This is all the plastic shit I found in my house."
Umrahmt von diesen Worten fixiert die Kamera einen Amerikaner mittleren Alters, der auf der Wiese vor seinem Haus zwischen all seinen Besitztümern aus Plastik sitzt. Gummistiefel, Spielzeug, Kleidung, Aufbewahrungsboxen, Elektrogeräte, Lebensmittelverpackungen, Spielsachen - jeder von uns hat eimerweise Plastik im Haus.
Ich auch. Der Lampenschirm meiner Schreibtischlampe ist aus Plastik, genauso wie das Gehäuse meines Laptops, meines Druckers, meines Radioweckers. Meine Kaffeemaschine, mein Wasserkocher, der Toaster, der Staubsauger, der Griff meines Backofens, der Großteil meiner Schuhe, meine Winterjacke, meine CD-Hüllen, drei oder vier meiner Rührschüsseln, meine Schöpfkelle, die Griffe meines Bestecks, meine Aufbewahrungsboxen für Essensreste, mein Kühlschrank, mein Haartrockner, mein Rucksack, der Anteil synthetischer Fasern in meiner Kleidung, der Klappstuhl, der Reisekoffer, zwei meiner Schneidebretter und meine Salatschleuder. Alles aus Plastik. Und das war längst nicht alles!
Beim österreichischen Filmemacher Werner Boote gab es wohl noch mehr Plastik. Bootes Großvater verdiente in der Plastikbranche sein Geld und so wurde dem Enkel eine sehr innige Beziehung zu diesem Rohstoff quasi anerzogen. Grund genug für den erwachsenen Werner Boote, das Thema Plastik genauer unter die Lupe zu nehmen. Herausgekommen ist die Dokumentation Plastic Planet, die mit sehr viel Witz und Selbstironie und ein paar etwas merkwürdig aussehenden Aktionen die bunte Welt der Polymere demontiert. Werner Boote spricht mit Plastikmagnaten aus Europa, den Arbeitskräften in chinesischen Fabriken, Studenten, die einmal jährlich einen wunderschönen Strand von all dem Plastikmüll befreien, den das Meer anschwemmt (- viele, viele LKW-Ladungen voll!), mit Naturwissenschaftlern und Medizinern, er schmust mit Plastikspielzeug, beklebt in Plastik eingepackte Ware im Supermarkt mit Warnhinweisen, lässt sich sein Blut auf Plastikpartikel untersuchen und sich dann erklären, dass die Bisphenol A Konzentration in seinem Blut so hoch ist, dass seine Zeugungsfähigkeit um etwa 40% beeinträchtigt ist. Bisphenol A ist übrigens ein Stoff, der bei der Synthese von Polymerketten verwendet wird und sich aus dem hergestellten Plastik herauslösen und gesundheitliche Schäden verursachen kann. Boote auf Konfrontationskurs mit der Plastikindustrie lässt sich schließlich vom selben Plastikmagnaten vehement abwimmeln, der ihm noch kurz zuvor eine Lobeshymne über Plastik diktierte. Aber wen wundert das?
Doch nicht nur Bootes Gesundheit (- hier stellvertrend für unser aller Gesundheit), sondern insbesondere der empfindliche Kreislauf der Weltmeere wird durch Plastik negativ beeinträchtigt. Und es geht hier nicht nur um die sichtbaren Plastikstücke, die im Meer treiben, irgendwann an einen Strand in Asian geschwemmt und von Studenten und Naturschützern aufgesammelt werden. Es geht um kleinste Plastikpartikel, die von Fischen und Kleinstlebenwesen gefressen werden, die schließlich daran sterben. Als hätten die Fischereiindustrie, Ölkatastrophen u.ä. das Ökosystem Weltmeer nicht ohnehin schon nachhaltig aus dem Gleichgewicht gebracht.

Zugegeben: In Plastic Planet werden keine männlichen Küken kurz nach dem Schlüpfen bei lebendigem Leib maschinell zerhackt, es werden auch keine Schweine malträtiert und keine noch zappelnden Hühner abgebrüht. Plastic Planet ist in dieser Hinsicht fast schon ein familienfreundlicher Film. Er verbindet die Elemente eines stinknormalen Dokufilms mit grotesker Satire, viel Wortwitz und dem Imperfektionismus des "Feldforschers" Boote, der sich auch für die skurrilsten Situationen und Fragen nicht zu schade ist. Der Film ist aber weit mehr als nur Comedy und auch wenn er mit einem Augenzwinkern doziert, ist sein Inhalt ernst zu nehmen, wirdt er doch die Frage auf, wie viel Plastik denn überhaupt sein muss und ob es nicht auch eine umweltschonendere Alternative gibt. Und die gibt es. Wir schauen nur nicht genug danach.

Ein paar Alltagstipps zur Vermeidung von unnötigem Plastik im Haushalt:

  • Jute- oder Papiertaschen zum Einkaufen mitnehmen. In eine Papiertasche passt oft mehr rein als in eine Plastiktasche und sie ist nicht wesentlich instabiler.
  • Viele Obst- und Gemüsesorten kommen mit einer natürlichen Verpackung. Bananen zum Beispiel haben eine super Verpackung, die man eh nicht mitessen kann. Wozu sie also nochmal extra in eine kleine Pastiktüte stecken? Selbiges gilt für alle Gemüsesorten, die man vorm Verzehr sowieso schält. Außerdem kann man die empfindlicheren Gemüsesorten oben auf den restlchen Einkauf packen, damit sie nicht zerquetscht werden.
  • Am besten keine Süßigkeiten kaufen, die in kleinen Portionen extra verpackt in einer großen Plastikverpackung stecken. Besonders bei bestimmten Pralinensorten oder Fruchtgummi-Sammelsurien hat man meist mehr Verpackung als essbaren Inhalt.
  • Darauf achten, ob es z.B. bei Joghurtbechern welche mit biologisch abbaubarer Verpackung gibt. Das ist zwar noch sehr selten, aber nicht unmöglich zu finden. Und wenn man keine spezielle Lieblingsmarke hat oder durch ernährungstechnische Einschränkungen nicht jeden Joghurt kaufen kann oder will, kann man die halbe Minute mehr sicher investieren. Abbaubare Verpackungsmaterialien werden sowieso meist beworben. Oder man kauft gleich den großen Joghurt im Glas. Joghurtgläser sind meistens Mehrweggläser und nicht so umweltbelastend wie Einweggläser oder Konserven.
  • Konservendosenkäufe so oft es geht vermeiden. Natürlich lässt sich das nicht komplett abstellen, aber wenn es ein gleichwertiges Produkt zu ähnlichen Preisen auch im Glas gibt (Rotkohl, Sauerkraut, Kichererbsen, Mais, Tomaten etc.), ist es immer besser auf das Glas zurückzugreifen. Auch und vor allem aus energietechnischer Sicht. [Edit] Wie ich durch eine  Freundin erfuhr, entstehen bei der Herstellung von Konservendosen nicht so viele Emissionen wie bei der Aufbereitung von Einweggläsern. Das wusste ich nicht, aber nachlesen könnt ihr das hier.
  • Peelingprodukte meiden, in denen die Peelingkügelchen aus Plastik bestehen. Das gilt im Grunde für so ziemlich alle konventionellen Peelingsorten. Auf Alternativen zurückgreifen, in denen gemahlene Aprikosenkerne, Sandkörner oder Meersalz als Peelingpartikel verwendet werden. Auch solche Produkte findet man in allen gängigen Drogerien. Das klingt vielleicht ein wenig nach Korinthenkackerei, aber gerade diese Mikropartikel gelangen oft unversehrt durch unsere Kläranlagen in die Flüsse und Meere, wo sie von Kleinstlebewesen und Fischen als Futterquelle missverstanden in den Nahrungskreislauf wandern.
  • Wer einen Supermarkt gegenüber hat oder ab und an mal mit dem Auto zum Einkaufen fährt, kann sich auch überlegen, ob Mineralwasser aus Glasflaschen nicht die bessere Alternative wäre. So ein Kasten ist schwerer, aber wesentlich besser für die Umwelt. Ich persönlich trinke Leitungswasser und Tee und spare mir so die Plastikflasche komplett. Dann muss ich auch nicht alle naselang zum Pfandautomaten. Hat auch was für sich.

Insgesamt reicht es ja auch schon, wenn man sich einfach versucht bewusst zu machen, wie viel Plastik man so jeden Tag in Händen hält und wie viel davon komplett unnötig und daher vermeidbar ist.