Gerade bin ich mit der ersten Lieferung vom Bio-Großmarkt zurück in die warme Wohnung gekehrt. An solch eine Lieferung kommt man, wenn man einer Gemeinschaft wie der Trierer Food Coop(eration) beitritt. Die Food Coop (wird anderswo aber sicher auch anders genannt) setzt sich aus mehrern Haushalten zusammen, die, im Trierer Fall, einmal im Monat eine Großbestellung zusammentragen, die aus Frischware, Milchprodukten aller Art, Trockenwaren wie Pasta oder Reis (etc.), Brotaufstrichen, Öl, Essig und so weiter und so fort besteht. Zu zweit und quasi als ein gemeinsamer Haushalt sind wir vergangene Woche auf ein Bestell-Treffen gegangen, um uns die ganze Sache erst einmal anzuschauen und probeweise mitzubestellen. Allerdings hat uns die Atmosphäre und die Art und Weise des kooperativen Lebensmittelkaufs so gut gefallen, dass wir sicher regelmäßig den Großteil unserer Waren dort beziehen werden.
Insgesamt dauerte das Bestelltreffen ca. zweieinhalb Stunden. Man muss aber dazu sagen, dass vergangene Woche sehr viele Neuzugänge dabei waren, denen das Bestellsystem erst erklärt werden musste.
JEder Haushalt bekommt zunächst einen Namen, normalerweise nimmt man der Einfachheit halber den Namen der Straße, in der man wohnt. Dieser Name wird auf eine Bestellliste eingetragen, damit man bei Ankunft der Ware auch sehen kann, wer wieviel von was bekommt. Im Anschluss werden verschiedenste Warengruppen von einer Liste abgelesen. Möchte man etwas bestellen, sagt man "stop", wenn das Produkt an der Reihe ist und zeigt per Handzeichen, wie viel man bestellen möchte. Und hier nun kommt die Gemeinschaft ins Spiel: da Ware vom Großhandel nur in ganzen Gebinden (- also kistenweise, bündelweise, kiloweise etc.) verkauft werden kann, tragen die verschiedenen Haushalte ihre Mengenwünsche so zusammen, dass man die Gebinde auch voll bekommt. Manchmal nimmt man dann eben mehr Kartoffeln als man wollte, manchmal weniger. Keiner wird gezwungen, etwas zu kaufen und doch tariert sich alles irgendwie aus, weil alle kooperieren. Zweiter großer Pluspunkt dieser Art des Einkaufs ist der Preis der Bioware. Je mehr man bestellt, desto günstiger werden die Lebensmittel natürlich. Da der Zwischenhändler wegfällt, zahlt man quasi den Einkaufspreis der Waren plus die dazugehörige Mehrwertsteuer. Außerdem wird ziemlich akribisch darauf geachtet, dass man saisonale und zumeist regionale Produkte kauft. Der Nachteil einer solche Food Coop ist natürlich der, dass man u.U. nicht alles bekommt, was man bestellt hat, weil nicht immer ganze Gebinde zustandekommen. Das ist meistens bei ganz exotischen Sachen so.
Schön ist außerdem, dass viele Vegetarier und Veganer in der Gemeinschaft mitmachen und man sich vor niemandem rechtfertigen muss, weil man Hafermilch und Hafersahne bestellt. Ganz im Gegenteil: gerade die teuren veganen "Milch"produkte werden durch die Großbestellungen sehr viel billiger als im Supermarkt.

Die Food Coop ist, wie der Name bereits sagt, auf Kooperation aller Beteiligten angewiesen. Beim Bestellen ist das nicht besonders anstrengend. Schwierig wird es vor allem im Winter dann beim Verteilen der Waren. Die werden vom Händler in großen Kisten nach Sorte getrennt in ein zentrales Lager gebracht. Es dauert also mehrere Stunden, die Großbestellung in den richtigen Mengen an die jeweiligen Haushalte zu verteilen. Für heute hatte ich mich direkt freiwillig gemeldet, da ich nicht weiß, wie viel Zeit ich in den kommenden Monaten haben werde. Wenn man also Tag und Nacht ohne Pause arbeitet, ist der Eintritt in eine solche Kooperative nicht zu empfehlen, da jeder seinen freiwilligen Anteil leisten muss.
Ist die Ware verteilt, können die Haushalte ihre Kisten im Zentrallager abholen und sich über Wochen voller Gemüse, Obst und Sojaschnitzel freuen. :DD In meinem Fall sind das kiloweise Clementinen, Äpfel, Süßkartoffeln, Kürbis, Pastinaken, Broccoli, Blumenkohl, Karotten uswuswusw.

Was man alles so aus Äpfeln machen kann, erkläre ich euch dann in den nächsten 3-4 Wochen. 8|

(Ich würde auch gern ein Foto von der riesigen Kiste machen, aber die Kamera hat keinen Saft mehr und das Ladegerät ist gerade auch nicht in Reichweite. Vielleicht dann beim nächsten Mal im Januar...