Isa Chandra Moskowitz und Terry Hope Romero haben im Jahr 2003 aus einer vollgestopften Küche in Brooklyn/NYC heraus veganes Essen ent-"nerdisiert" (nerd = Sonderling, komische Person --> seeeehr vereinfacht ausgedrückt) und den Siegeszug des Tofublocks angetreten. Ihr buntes Begleit-Propagandamaterial (Kochbücher) kann man bei Amazon und anderen Web-Buchläden beziehen. Das folgende Rezept für veganen "Schinken" stammt aus ihrem ersten großen Kochbuch mit dem schönen Namen "Vegan with a Vengeance" (= Vegan mit aller Macht) und ist bereits zu einem Klassiker in der fleischfreien Blogosphäre geworden.

Das hier sind die Zutaten:

VB IngredientsZutaten (angegeben in der amerikanischen Maßeinheit "cups" und "spoons"):
1/3 cup Apfelessig
2 tablespoons Sojasoße
1 teaspoon Tomatenmark (ich verwendete einfach konzentriertes TM)
1/4 teaspoon Liquid Smoke
250 g Tempeh (roter Pfeil und Ausrufezeichen; siehe auch weiter unten)
2 Knoblauchzehen (nicht im Bild)
Ahornsirup zum Abschmecken
Öl für die Pfanne

Ich besitze zwei Sets dieser Measuring Cups, eins davon kaufte ich vor Jahren bei IKEA, das andere habe ich mir in Kanada mal gekauft. Meine Measuring-Spoons habe ich von hier. Wenn man sich solche Dinge nicht kaufen möchte und das Rezept trotzdem nachkochen will, dann gibt es unter anderem hier Umrechnungstabellen. Habe selbst öfter damit gearbeitet und es funktioniert ganz gut.

Apfelessig, Tomatenmark und Sojasoße sind in allen gängigen Lebensmittelgeschäften in Deutschland zu bekommen. Zwei der wichtigsten Zutaten jedoch muss man über alternative Quellen beziehen. Zum einen ist das sog. "Liquid Smoke", zu sehen hier im Bild (sorry für die bescheidene Qualität...)

LiquidSmokeBottle

 

Es handelt sich hierbei um den Rauch, der bei der Verbrennung von Hickory-Holz entsteht und der durch Wasser geleitet wird. Liquid Smoke ist also eine schwarze Brühe voller Ruß, die nach einem alten Lagerfeuer riecht. Ich habe mich nicht getraut, das Zeug pur zu probieren, da der Geruch alleine schon im wahrsten Sinne atemberaubend war. Bestellt habe ich mein Fläschchen bei Pepper King für einen Preis von 3,90 Euro oder so. Gebrauchen kann man das Zeug auch zur Herstellung selbstgemachter BBQ-Soßen etc.

 

 

Die zweite exotische Zutat ist Tempeh, eine Art Kuchen aus fermentierten Sojabohnen. Wie Tofu auch ist Tempeh weitestgehend geschmacksneutral. Es fühlt sich ein wenig wie Plastik an und sieht irgendwie auch so aus. Dieses Stückchen Tempeh habe ich im Asialaden in der Ostallee in Trier (DelicAsia) gekauft. Ein Pfund kostet etwa 1,30 Euro. Hergestellt wurde es in den Niederlanden.

Tempeh

 

 

 

 

Ich habe den Tempeh-Block aufgeschnitten, damit ihr die Sojabohnen sehen könnt, die hier im Inneren zusammengebacken sind.

Den Zubereitungsvorgang habe ich in Bildern dokumentiert. Das Ganze ist wirklich kein Hexenwerk und ich kann guten Gewissens behaupten, dass man das Rezept gut nachkochen kann, sofern man ein wirklich scharfes Messer mit einer langen und breiten Klinge besitzt.

Ok, let's roll!

1. Man stelle aus der Sojasoße, dem Apfelessig, dem Tomatenmark und dem Liquid Smoke eine Marinade her und achte darauf, dass sich das Tomatenmark vollständig aufgelöst hat. Das war so unspektakulär, dass ich davon kein Bild machen wollte. Die Marinade wird rot und seeeeeehr sauer sein, immerhin wurde ja eine Dritteltasse Apfelessig reingekippt. Aber lasst euch davon nicht verunsichern! Ich habe noch ein wenig Ahornsirup reingeträufelt, um den Geschmack ein wenig abzurunden. Das kann man machen, muss man aber nicht.

2. Den Tempeh-Block der Länge nach mit einem sehr scharfen Messer mit einer langen und breiten Klinge in sehr dünne Streifen schneiden. Zu sehen hier:
Tempeh slices

Die Tempeh-Scheiben auf beiden Seiten mit einer halbierten Knoblauchzehe gut einreiben. Danach den Knoblauch fein würfeln und in die Marinade geben.

Tempeh ist nicht besonders bröckelig, allerdings sollte man ihn/es nicht knicken, da er/es dann auseinanderbrechen kann. Für dieses Rezept wird Tempeh übrigens deswegen verwendet, weil er/es sich besser kauen lässt als labberiger Tofu und nicht so knatschig ist wie Seitan (Weizengluten).

 

3. Die Tempeh-Streifen In eine flachen und großen Schüssel (- ich nahm eine Auflaufform) legen und mit der Marinade bedecken. Schwenkt die Marinade ein paar Mal hin und her, damit jeder Tempehstreifen auch wirklich vollständig mit der Marinade in Berührung gekommen ist.

VB mariniert

Da ich sehr viele Tempeh-Streifen hatte, habe ich sie in zwei Schichten in die Auflaufform gelegt und jede Schicht gesondert mit der Hälfte der Marinade beträufelt.

Die Auflaufform kann dann mit Frischhaltefolie abgedeckt werden und sollte eine ganze Nacht durchziehen.

 

 

Vegan Bacon next morning4. Am nächsten Tag den Knoblauch aus der Marinade fischen ( - blöde Arbeit, wenn man kein feines Sieb hat...) und in einer großen Pfanne etwas Öl erhitzen. Die Marinade in den "1 cup"-Becher (das orange kleine Ding unten im Bild) kippen und bis auf 1 cup mit Wasser auffüllen, sofern die Marinade nur für einen halben Becher reicht.

 

 

VB braten
5. Die marinierten Tempeh-Streifen auf der einen Seite gut anbraten. Sie sollten schön gebräunt sein. Dann die Streifen wenden und mit etwas Marinade bedecken. Tempeh schmeckt angeblich etwas bitter, wenn man ihn/es nicht dämpft und das macht man dann eben an dieser Stelle mit der Marinade. Da ich in zwei Schichten briet, benutzte ich immer die Hälfte der Marinade.
Wenn die Flüssigkeit in der Pfanne also verdampft ist die Tempehstreifen noch eine Weile braten lassen, bis sie auf der anderen Seite auch schon gebräunt sind.

 

 

Fertiger Bacon6. Die fertigen Streifen sehen dann in etwa so aus. Ich hatte versehentlich etwas zu viel Tomatenmark genommen (- wer lesen kann ist klar im Vorteil -), deswegen schmeckten sie zu tomatig, aber ansonsten kam der Rauchgeschmack gut durch und ich fand sie enorm lecker auf dem Frühstücksbrot.

Wer jetzt einen schönen Schweinegeschmack erwartet wird hier natürlich enttäuscht sein. Aber mir kam es schon schinkig vor und außerdem ist es doch wurscht, obs nun Wurst ist oder nicht. :-) Hauptsache es schmeckt!

Fazit: weniger Tomate beim nächsten Mal. Aber ein nächstes Mal wirds geben, das ist sicher! Yummifaktor 8 von 10.