So. Da ist sie nun. Die lange angekündigte Studie aus dem Verbraucherschutzministerium, die uns ein erstes Bild davon geben soll, wieviel Essen in noch genießbarem Zustand in Deutschland pro Jahr weggeworfen werden.
Ganze 82 kg. Pro Jahr. Pro Nase. Das ist ein normal gebauter, etwa 1,80 - 1,85 m großer Mann. Pro Jahr also werfen wir, das deutsche Volk, also über 82 Millionen Menschen also .... ähm.... 82.000.000 Mal 82 kg Nahrung weg. Das sind laut meinem Taschenrechner 6.724.000.000 kg. Kann das stimmen? Die Zahl ist so monströs! Und beinhaltet nur die privaten Haushalte. Zählt man die Gastronomie, Krankenhäuser, Supermärkte, Unternehmenskantinen, Mensen etc. noch mit dazu, steigt die Menge auf ganze 11 Millionen Tonnen.
Man muss allerdings ehrlich dazusagen: diese Zahlen beruhen auf Schätzungen. Aber wenn jeder von uns pro Tag 225g Essen in die Tonne klopft, was auf den ersten Blick nicht nach sonderlich viel aussieht, dann sind das 365 Mal 0,225 kg. Macht also 82,125 kg pro Jahr. Tja. Rein rechnerisch stimmt es dann wohl, auch wenn die Ausgangswerte nur geschätzt sind.
Es wird natürlich Nörgler geben, die denen ähneln, die schon seit Jahren den Klimawandel so vehement leugnen, während uns gleichzeitig die Polkappen vor der Nase wegschmelzen. Auf Schätzwerten könne man keine vernünftige Studie basieren, es sei Humbug, dass so viel Essen weggeworfen werde, und so weiter und so fort. Ich höre es schon aus allen Richtungen schallen. Aber auch wenn diese Zahlen vielleicht ein bisschen nach unten korrigiert werden müssen, so bleibt am Ende trotzdem wohl eine Zahl im Millionen- bzw. Milliardenbereich stehen. Von mir aus sind es dann halt bei den Privathaushalten keine 6 Millionen Tonnen sondern "bloß" 5 Millionen. Aber das entspräche immer noch 1 Million afrikanischer Elefanten mit durchschnittlichem Körperbau. Pro Jahr. Eine ganze Menge also.
Ich habe schon vor vielen vielen Monaten begonnen, dieses leidige Thema immer und immer und immer wieder neu aufzubrühen und freue mich natürlich auf eine etwas morbide Weise, dass ich nun endlich auch mal eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie habe, die ich verlinken kann. Aber lieber wäre mir natürlich, ich könnte über die Veränderung des generellen Einkaufsverhaltens schreiben. Darüber, dass die Zahl weggeworfenen Essens rückläufig ist. Und natürlich wäre es um Längen schöner, wenn die Lebensmittelpreise in Deutschland nicht erst signifikant erhöht werden müssten, um den Menschen etwas mehr Wertschätzung mit dem Baseballschläger einzuprügeln. Am schönsten wäre es, wenn mein Gemotze und Geschimpfe auch diejenigen erreichen würde, die sich eben überhaupt keine Gedanken darüber machen, welche Mengen sie kaufen und wieviel davon ungenutzt in die Tonne wandert. Fast jeder von uns wird sich an den Spruch der Eltern am Mittagstisch erinnern, als wir im Kindesalter lustlos in unserem Essen rumgestochert haben: "Woanders verhungern Kinder." Und ja: woanders verhungern wirklich Menschen, nicht nur Kinder, aber die ganz besonders schnell. Durch Klimawandel, totgewirtschaftete Böden, Nahrungsmittelspekulation und den Hunger der ersten Welt. Und wir werfen gedankenlos einfach weg, was wir in unseren Megasupermärkten zuviel eingekauft haben. Mir macht das ein schlechtes Gewissen.
Ich möchte mich hier nicht selbst als Heilige darstellen. Aber ich gebe mein Bestes, so zu leben, dass möglichst vielen Menschen dieser Planet in noch einigermaßen gutem Zustand erhalten bleibt. Und bei meinem Nahrungsmittelkonsum befolge ich ein paar kleine Regeln und Strategien, so dass eigentlich nichts mehr wegwerfen muss. Diese Strategien sind so einfach, die kann wirklich jeder zuhause umsetzen (- wenigstens eine oder zwei davon):
1. Gemüse einzeln kaufen: Greifen wir doch nicht zu den vorab verpackten Sachen, wenn wir nicht genau wissen, was wir mit 2kg Zucchini oder 1,5 kg Möhren in den nächsten Tagen machen wollen.
2. Essensplan für die Woche: Zugegeben, ein solcher Essensplan setzt ein bisschen Wissen in Sachen Gemüselagerung und -zubereitung voraus. Aber auch einfache Gerichte lassen sich gut planen. Dann kann man gezielter und in den richtigen Mengen einkaufen. Spart langfristig eine Menge Geld!
3. Sich über den eigenen Kühlschrank und die eigenen Lagermöglichkeiten klar werden: Die meisten Kühlschränke sind nicht nur ein komischer großer kalter Kasten, sondern haben unterschiedliche Fächer. Die Hersteller geben eigentlich immer Auskunft darüber, welche Dinge wo im Kühlschrank am besten gelagert werden können. Salat kann man z.B. länger haltbar machen, indem man ihn putzt, wäscht, schleudert und in ein sauberes und feuchtes Geschirrtuch einwickelt und in der unteren Kühlschrankschublade verstaut. Regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren des Kühlschranks hilft auch, Schimmelbildung zu vermeiden. Für die Speisekammer gilt das Gleiche: Wieviel Platz habe ich zur Lagerung, kann ich irgendwo einen alten Eimer mit Sand unterbringen, in dem ich Dinge wie Möhren lagern kann (- wo sie sich ewig halten)? Hatte ich mal ein Problem mit Lebensmittelmotten und muss die Kammer grundreinigen? Es ist nur ein bisschen logistisches Denken und Handeln nötig und schon werden deutlich weniger Produkte schlecht.
4. Einfrieren und Einwecken! Habe ich Gemüseüberschuss, friere ich Sachen weg. Aus Kräutern mache ich Pesto, wenn ich merke, dass ich sie nicht rechtzeitig aufessen kann. Aus überreifem Obst mache ich Smoothies, Frozen Yoghurt oder Kuchen (der sich teilweise auch wegfrieren lässt). Ich beschrifte alles, was ich einfriere und verkonsummiere das dann auch wieder. Guter Tipp am Rande: selbst in Einmachgläsern kann man Dinge einfrieren. Man darf die Gläser nur nicht bis oben hin vollmachen. Perfekt für Kokosmilchreste o.ä.Wer zu viele Tomaten hat, kann selbst Ketchup herstellen. Steril abgefüllt und richtig gelagert, hält der ewig. Fragt eure Omas, die wissen solche Sachen oft noch und können gute Tipps und einige Einmachgläser spendieren!
5. "Eat me first!" Box: Viel Essen wird meiner Meinung nach weggeworfen, weil es an der falschen Stelle im Kühlschrank steht, also unten, hinten oder sonstwo, wo wir nicht direkt hinschauen, wenn wir die Kühlschranktür aufreißen. Am Ende ist es wie mit dem Kleiderschrank, der aus allen Nähten platzt - und trotzdem glaubt man, man hätte nix zum anziehen. Abhilfe im Kühlschrank schafft eine einfache Plastikbox mit einer Aufschrift wie z.B. "Eat me first!", in die man die Dinge einsortiert, die bald schlechtwerden oder generell schnell verderben. Diese Box sollte natürlich in Sichtweite stehen und nicht unten hinten in der Ecke. Pro Woche muss man nur einmal für 10 Minuten bewusst eine kleine Inventur des Kühlschranks vornehmen. Und 10 Minuten kann hoffentlich jeder aufbringen.
6. Lunchbox statt Cafeteria: In der Mittagspause kann man wunderbar das übrig gebliebene Essen vom Vorabend spachteln. Spart ne Menge Geld. Viele Cafeterien haben auch Mikrowellen, wenn man das Essen nicht kalt runterbekommt.
7. Angst vorm Mindesthaltbarkeitsdatum verlieren und den eigenen Sinnen wieder vertrauen! >Hier< habe ich bereits was dazu geschrieben.
8. Kochsendungen gucken! Auch wenn man kein Sternekoch werden möchte, bei Kochsendungen bekommt man Inspirationen und ein paar gute Tricks sind auch immer dabei. Ansonsten: gutes Kochbuch kaufen!
9. Grow your own! Das ist ein Tipp für alle, die Zeit und Platz haben: Baut doch ein bisschen eigenes Gemüse an! Salat wächst z.B. auch in normalen Blumenkästen auf dem Balkon. Gleiches gilt für Kräuter, Chilis oder sogar Buschbohnen. Mit ein bisschen Übung und Recherche lässt sich schnell herausfinden, was in der entsprechenden Gegend am besten wächst. Ein paar große Töpfe oder ein kleines Beet, ein bisschen gute Erde und etwas Geduld und Übung und schon erlebt man eine ganz neue Beziehung zu dem, was man sich sonst vielleicht sehr gedankenlos in den Mund geschaufelt hätte.
Laut Frau Aigner soll es ja auch bald eine Internetplattform geben, auf der die Verbraucher Tipps zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln bekommen können. "Zu gut für die Tonne" soll diese Plattform heißen. Wer auch heute schon ein bisschen was zum Umgang mit Lebensmitteln lernen möchte, kann sich mal in Foren bei z.B. Chefkoch.de, FragMutti.de oder Oma-tipp.de umschauen. Ansonsten helfen Suchmaschinen gerne weiter. Oder eben die eigene Oma.
Ach ja: Eat your veggies - werft sie nicht weg!